Klischees hier und dort.

Klischees sind ja so eine Sache, konfrontiert werden wir hier öfters mit ihnen – jedes Land hat ja doch seine ganz spezifischen. Hab ich immer gedacht man verbindet Deutschland im Ausland überwiegend mit Humorlosigkeit und Pünktlichkeit hab ich mich etwas getäuscht – ganz weit vorne ist scheinbar der tabulose Umgang der deutschen mit Nacktheit (FKK-Strand!)  und Sex, inklusive der deutsche Pornoindustrie. Das Seite 1 Girl auf der Bild gehört für uns irgendwie zur Bild (ob man(n)s mag oder nicht sei jetzt mal dahingestellt), aber im Ausland ist das scheinbar nicht so selbstverständlich.  Frau lernt nie aus über ihr Heimatland!

Und mit den Briten, nun ja, da verbindet man überwiegend Tea time, Schlange stehen und Höflichekeit. Und es stimmt. Schwarztee wird immer getrunken und die Frage ob erst den Tee ziehen lassen und dann Milch rein oder Milch von Anfang an dazu ist eine wahre Überzeugungsfrage. Auch die Tea-Auswahl im Supermarkt ist ziemlich groß und manchmal auch etwas überfordernd.

Queueing

Das Schlange stehen wiederum ist manchmal ganz angenehm. Wenn man an der Bushaltestelle ankommt, stellt man sich hinten an, sodass sich dann immer entlang des Bürgersteigs wunderhübsche Menschenschlangen formen. Dumm nur wenn man gerade am Eingang vom Kino steht, das Plakat ankuckt und einfach nur rumsteht. Dann kann es auch schon vorkommen dass man für den Beginn einer Schlange gehalten wird und sich die Leute hinter einem Anstellen. Oder aber kommt es vor dass man als ignoranter Deutscher eine Schlange erst gar nicht als solche erkannt hat. Bööööse.

Was Briten auch oft sagen ist sorry und excuse me. Folgendes Szenario. Im Supermarkt steht jemand vorm Regal von dem auch ich was haben will. Die andere Person studiert es ausgiebig. Man könnte ja jetzt einfach hingehen, sich schnell vorbeiquetschen, sein Produkt schnappen und weiterziehen. Aber viele Briten sind sehr höflich, weswegen man dann einfach mal wartet bis die andere Person fertig ist und man selbst an der Reihe ist. Auch wird einem hier deutlich öfters als zu Hause die Tür aufgehalten oder der Vortritt gelassen – daran könnte man sich gewöhnen.

Klar, es gibt auch immer die Gegenbeweise, aber das sind alles so kleine Dinge im täglichen Miteinander im Alltag an die ich mich hier schnell gewöhnt habe und die hier einfach zum Leben dazugehören. Zurück in Deutschland funktioniert das dann nicht mehr so, die Leute benehmen sich anders und ich fühle mich fremd in meiner eigenen Heimat. Es ist ein seltsames Gefühl, dieses Heimkommen. Man ist zurück, man kennt die Orte in und auswendig, aber doch ist es anders, man passt nicht ganz rein. Diese komische Kombination macht die ersten Tage wieder zu Hause immer etwas seltsam, man hat sich selbst halt doch verändert, andere Lebensweisen angenommen und es dauert immer eine Weile bis man sich wieder rück-angepasst hat.

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