Vesperbrotsehnsucht

Ausziehen hat seine schoenen Seiten, doch es gibt Momente in denen wuensche ich mich wieder in meine Kindheit zurueck. Jeden Morgen wenn ich meine Vesperbrote fuer die Mittagspause richte muss ich an meine Mama denken: Durch unsere komplette Schullaufbahn hindurch hat sie uns unsere Vesperbrote geschmiert, wieviele das uber die Jahre wohl waren! Und wenn ich jetzt deswegen 10 Minuten frueher aufstehen muss, dann wuensche ich mich so manches Mal in die Zeit zurueck wo Tag fuer Tag auf dem Fruehstueckstisch das Vesperbrot auf uns wartete… Dieser wunderbar Kokon namens Kindheit, von dem man erst rueckblickend weiss wie geborgen man war.

Glen Etive, mal wieder.

Der letzte Tag von Fort William nach Edinburgh war leider wieder von Regen gepraegt. Anscheinend regnets immer in Fort William. Glen Coe zeigte sich von einer eher wilden, dunklen und sehr verhangenen Seite. Im Februar sind wir schon ins Glen Etive abgebogen das sich zu unserem ungeplanten Ueberraschungshighlight entwickelt hatte. Diesmal wollte ich es auch meinen Eltern zeigen. Wo wir letztes Mal auf halber Strecke umdrehen mussten weil es dunkel wurde konnten wir diesmal bis zum am Ende gelegenen Loch Etive fahren. Die Einbahnstrasse wurde immer schmaler und kurviger, immer weniger Menschen, die Berge wurden hoeher und dann lief ploetzlich ein Hirsch vor uns auf der Strasse. Die Strassen waren links und rechts von meterhohen fliederfarbenen Rhododendronbueschen gesaeumt, ein wunderschoener Anblick den wir auf Fotos nicht wirklich einfangen konnten. Am Loch Etive angekommen waren zwar noch ein oder zwei andere Autos da aber wir liefen zu einem alten zerfallenen Steg und dann waren wir alleine in dieser spektakulaeren, rauen und doch schoenen Natur. Stuermisch wars und das Essen ist uns fast davon geflogen…

Der Heimweg rief schon bald nach uns und mittlerweile kenne ich die Route schon die uns zurueck nach Edinburgh brachte. Der kleine Zwischenstop in Killin, das im Reisefuehrer als huebsches kleines Oertchen angepriesen wurde war leider auch ein bisschen verregnet und ‘interessant’.  Vor allem die Handarbeitssachen der Gemeinde die in einer alten Muehle verkauft wurden….

So kam ein schoener langer Roadtrip zu seinem verregneten Ende und ich hab festgestellt dass Schottland immer wieder neue Seiten bereit haelt, aber Glen Etive bleibt mein Favorit.

Festival’s in the Air

Jetzt geht sie also los, die Edinburgh’ Festivalsaison!

Festivals in Staedten waren fuer mich nie ein grosses Ding, in Koeln gabs das nicht und im Allgaeu noch viel weniger – ich kenne nur Musikfestivals. Aber es gibt auch andere, Edinburgh ist gepraegt von ihnen. Im Sommer verwandelt sich die gesamte Stadt in einen riesigen Tummelplatz  fuer Kunst und Kulturbegeisterte aus der ganzen Welt.

Erstmal ein paar Facts and Figures. “DAS Edinburgh Festival” an sich gibt es nicht, vielmehr sind es verschiedene Festivals die dann zusammen den Festivalcharakter ausmachen. Das Fringe Festival vom 2. – 26. August ist ein Art Festival dessen Schwerpunkt auf Comedy und Musik liegt. Tausende Kuenstler kommen fuer die Shows in die Stadt, dabei sind ganz beruehmte und auch weniger beruehmte die sich langsam eine Karriere aufbauen. Letztes Jahr spielte Michael Mittermeier hier vor 40 – 60 Leuten, beruehmt oder nicht beruehmt?! Das Edinburgh International Festival ist vom 9.8.-1.9. , und das ist eher fuer “High Art”, sprich Oper, Theater und Ballet aus der ganzen Welt. Das Bayerische Symphonieorchester ist auch mit dabei…. (hihi, und fuer das verkaufe ich Tickets) Was das Spirituality and Peace Festival genau anbietet weiss ich nicht so wirklich, aber das ist auch im August. Das Bookfestival und das Military Tattoo oben vorm Castle kommen dann auch noch dazu, es wird eine Menge geboten und es ist schwer sich zu entscheiden!

Insgesamt waren in 2012 fuer die ganzen Festivals im August ueber 3.3 Millionen Besucher in Edinburgh, und das nimmt dann bizarre Ausmasse an die sich bis ins Studentenleben auswirken. Viele Wohnungen werden nur von September bis Juni / Juli an Studenten vermietet, im Juli und August werden sie dann fuer viel mehr Geld als sogenannte Festival Lets (Festival Vermietungen) an Kuenstler oder Besucher vermietet. So hat sich schon mancher Landlord eine goldene Nase verdient!

Aber auch fuer unsren Studentengeldbeutel ist es gut, es gibt jede Menge Saisonjobs als Ticketverkaeufer, Platzanweiser, zum Kellnern… schliesslich wollen diese 3.3 Mio Besucher auch versorgt werden!

Nur die Strassen, die werden so langsam voller und voller, das Durchkommen wenn man nur schnell in die Stadt will wird erschwert. Menschenslalom ist das neue Motto!

Bis jetzt habe ich so ein Augustfestival ja selber noch nicht mitgemacht, aber man merkt schon langsam wie es losgeht und die Vorfreude waechst. Ueberall in der Stadt wachsen Zelte aus dem Boden, Plaetze verwandeln sich in Biergaerten, Tickets werden verkauft, Waende mit Postern bepflastert. Bald geht es los, ich bin gespannt!

Wo Wolken die Erde berühren

An unserem letzten Tag auf Skye zeigte sich die Insel von der schottischen Seite: wo hört der Nebel auf, wo fangen die Wolken an, ist das Regen oder einfach nur Wasser in der Luft? Das Wetter war also weiterhin nicht so schön uns so war es auch nicht schlimm dass für den Tag hauptsächlich südwärts fahren auf dem Programm stand.

Mit der Fähre gings von Armadale nach Mallaig, die Buchung online ist simpel, nicht zu teuer und die Überfahrt kurz (30-45 Minuten). Und, ein großer Vorteil: man muss nicht die gleiche Strecke wie auf die Insel über die Skye-Bridge und richtung Loch Ness fahren.

In Mallaig erwartete uns total zufällig der Steamtrain der zwischen Fort William und Mallaig verkehrt. Das ist genau der Zug der auch übers Glenfinnanviadukt fährt und in den Harry Potter Filmen als Hogwartsexpress genutzt wird. Jeha! Da dachten wir schon wir hätten vielleicht die Chance ihn auf dem Viadukt das später auf unsrer Strecke liegt zu erwischen…

Ersteinmal aber fuhren wir die “Road to the Isles” rückwärts. Also “Road from the Isles”. Es gibt zwei Routen, eine neue Schnellstraße und die ursprüngliche Route am Meer entlang, schmaler und kurviger, aber definitv auch sehr schön und sehenswerter (sie ist seperat ausgeschildert, irgendwann nach Mallaig gehts da rechts ab). Links und rechts war der Weg gesäumt von blühendem Ginster und Rhododendron und das Highlight, es soll wunderschöne weiße Sandstrände geben. Einen sahen wir im vorbeifahren, aber wir dachten es gibt noch mehr und fuhren weiter. Dumm. Der nächste war leider nicht mehr ganz so schön, und dann gab es keine mehr. Deswegen kann ich nur raten gleich am Anfang der Road to the Isles wenn man einen weißen Strand sieht anzuhalten! Den Blick den wir erhaschten war sehr weiß und schön!

Und dann, das Glenfinnan Viaduct. Massen von Leuten mit Kameras im Anschlag standen am Parkplatz rum. Das konnte nur bedeuten: Der Hogwartsexpress alias Jacobite Steam Train kommt! Zum Glück war ich schonmal da und hatte einen groben Überblick über die Lage…. wir hetzten schnell zum Aussichtspunkt und starrten nach Links, von wo der Zug aus Mallaig kommen sollte. Die Überraschung war groß, als dann einer von rechts kam! Hä? Wie kam der da rüber? Egal, Fotos machen! Es war schon ein toller Anblick wie der Dampfzug über dieses alte Viadukt fuhr. Schnell war das Ereignis wieder um und unten am Aussichtspunkt angekommen kam dann auch noch Gegenzug, “unserer” aus Mallaig. Also nochmal Fotos machen und die Aufregung war wirklich vorbei. Ein dritter konnte nun wirklich nicht mehr auftauchen. Aber wir haben den Zug gesehen, total zufällig und ungeplant, perfekt! Vor allem hat mich das gefreut weil Markus, Joyce und ich noch überlegt hatten dass es ja möglich sein muss ihn abzupassen. Scheinbar ist es möglich 😀 Nur die Fotos vom Viadukt an sich, da find ich die vom Februar schöner. Damals hatten wir das Viadukt für uns allein was toll war. Reisen “gegen den Strom” hat auch seine Vorteile.

Tja, und von da ging es dann direkt nach Fort William, eine letzte Nacht “on the road”. So Roadtrips sind aber immer auch viel zu schnell um!

Fairy Glen ≠ Fairy Pools

Tag 4 führte uns am frühen Morgen über kurvig steile Straßen quer durch die Quiraing – Berge von Skye. Landschaftlich spektakulär doch die Straßen sind so eine Sache für sich. Überall meist nur einspurig mit netten Ausweichbuchten – das Paradebeispiel für Vorausschauendes fahren, bei Kurven lässt sich so schlecht erkennen ob Gegenverkehr kommt…

Die Fairy Pools sind eine der verborgenen Schönheiten von Skye, eine Kette von Wasserfällen und Wasserbecken mit klarem Wasser. Fairies sind ein Teil der schottischen Folklore, genau kenne ich mich da auch nicht aus aber es sind kleine mystische Fabelwesen. Vielleicht sollte ich mir da mal ein Buch besorgen, fällt mir gerade so ein. Jedenfalls sind die Fairypools also ein Ort wo die Fairies wohnen könnten. Und den wollten wir besuchen. Als ich dann auf einer Karte Faerie Glen gelesen habe nahm ich an dass im Faerie Glen auch die Fairy Pools sind. Weit gefehlt! Das Faerie Glen (Glen ist gälisch für Tal) in der Nähe von Uig fanden wir, nur wurde der Ausflug davon getrübt dass da keine Pools waren. Wir nahmen an dass es zu trocken war doch mittlerweile hab ich nochmal intensiv recherchiert und scheinbar liegen die Fairy Pools an einem ganz anderen Ort auf Skye! Wer kann auch wissen dass es da so viele Fairy Sachen gibt!!! Nun ja, das Faerie Glen war ziemlich schön, nur haben wir halt die Pools verzweifelt gesucht, das war bissle blöd….. Augen auf bei der Rotenplanung sag ich da nur, nichts glauben, auch wenn es gleich heißt. Oh man, ewig hab ich von den Pools vorgeschwärmt und dann das, upsie….

Das Skye Museum of Island Life nördlich von Uig in Kilmuir ist sehr sehenswert. Ein kleines Reetdachhüttendorf steht dort zur Besichtung, angefüllt mit allerlei Austellungsobjekten aus dem Alltag, man könnte meinen gleich kommt ein Bewohner um die Ecke. Die Hütten sind so von ca. 1900 und das Leben muss ganz schön hart gewesen sein, Wohnen auf engstem Raum, in winzigen Zimmern. Besonders krass fand ich ein Sortiment Bettwäsche das eine Frau aus dem Dorf komplett selbst hergestellt hat – vom Schaf bis hin zum Nähen. Da schläfts sichs sicher ganz anders drin als vom Ikea.

Mittlerweile war das Wetter garstig und nach einem Abstecher nach Portree, der “Hauptstadt” gings auch wieder heim ins B&B. Abendgegessen haben wir sehr lecker im Colomba 1400 in Staffin – ein Gemeindeprojekt dass damit Programme für Jugendliche fördert die ein etwas perspektivloses Leben haben.

Ach ja, mittlerweile hat WordPress es geschafft ein Instagram Widget rauszubringen – deswegen rechts jetzt meine Instagramfotos, freue mich natürlich auch über neue Follower 😉

Westwärts – von der Insel auf eine noch kleinere Insel

Tag 3 unseres Roadtrips führte uns nach leckerem (und seeeehr üppigem) schottischen Frühstück Richtung Skye. Mit vielen Zwischenhalten. Beim Frühstück habe ich einen Babybel geklaut, allerdings umsonst. Nachdem ich Ihn zwischenzeitlich vermisst gemeldet hatte ist er 1 Woche später zerdätscht in meinem Rucksack in der hintersten Ecke wieder aufgetaucht. Essen wollte ich Ihn dann auch nicht mehr.

Der erste Stop war Culloden, das Schlachtfeld wo 1746 Bonnie Prince Charlie’s Highlander-Armee brutalst von den Engländern niedergergemetzelt wurde. Für Schotten war es der Wendepunkt in Ihrer Geschichte da quasi alle Clans ausgelöscht wurden. Als wir Culloden, eine riesige Moorfläche, besuchten herrschte Nebel – angeblich wurde der damals den Schotten zum Verhängnis. Und so tat der Nebel sein Übriges zur bedrückenden Stimmung. Auf dem Feld verstreut stehen noch die Gedenksteine wo die Clans in Massengräbern liegen. Viel hatte ich schon über Culloden gelesen und einige Romane waren dort angesiedelt, selbst in dem Steinhäuschen das noch heute dort steht, the sole survivor – es war doch bedrückend dort umherzulaufen.

Weiter ging die Geschichtsstunde bei den Corrimony Cairns. Ein viertausend (!!!) Jahre altes Steinhügelgrab das von einem Steinkreis umgeben ist. Uralte Steinkreise ankucken stand auch schon länger auf meiner Schottland – to – do Liste, irgendwie mag ich so historische alte Sachen. Es ist ja schon faszinierend (zumindest für weirdos wie mich) wie so etwas 4000 Jahre überleben kann… Vielleicht können wir ja doch Spuren auf der Erde hinterlassen! Kleine.

Vorbei zum mittlerweile 3ten oder 4ten mal (also für mich, seit ich hier bin) an Loch Ness und Urquahrt Castle fuhren wir zu Eilean Donan Castle. Angeblich das meistfotographierteste Castle Schottland’s steht es auf einer kleinen Insel im Wasser. Wie bei unserem Glück zu erwarten war gerade Ebbe als wir ankamen und es sah etwas weniger idyllisch aus als mit Wasser. Ankucken ging leider nicht ( 😛 ), sodass wir flugs weiter zur Skye Bridge fuhren (die Berge! Die Sonnenstrahlen! Das Meer!) und dann auf Skye gen Norden. Sehr beeindruckende Berge, und Fotos können überhaupt nicht einfangen wie steil und majestätisch sich die Insel vor uns erhob. Nur die Straßen, die waren sehr eng und kurvig. Vorbei am Old Man of Storr landeten wir auch irgendwann im Nirgendwo wo unser B&B stand. Und abends am extrem hohen / steilen Kilt Rock haben wir noch schnell eine Flaschenpost ins Meer geschmissen. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet. Ich warte weiter. Oder ich werde sie selber in Neuseeland wieder ausm Meer fischen. Träumen darf man ja 😉 Mit der Flaschenpost hatten wir dann auch noch einen Seehund (?) aufgeweckt – eine ganze Weile ist er immer wieder vorm Kilt Rock auf und ab getaucht. Völlig unerwartet war das ein ganz schönes Erlebnis, ich hab noch nie irgendwelche Delfine / Seelöwen / Wale etc. in freier Wildbahn gesehen…

Ein ganz schön langer Tag an dem wir ganz schön viel gemacht und gesehen haben! Und Skye ist der wahnsinn, so eine zerklüftete Landschaft sieht man selten, für mich hatte das noch  etwas sehr urzeitlich unwirtliches.

Und nu, Fotos:

Meer und mehr

Tag 2 war dem Meer gewidment – leider ließen sich die Delfine die wir in der Spey Bay ankucken wollten erst 2 Stunden nachdem wir wieder weg waren blicken, Pech gehabt. Aber immerhin wären es wilde Delfine gewesen und nicht eingesperrte irgendwo in einem Winzaquarium – da ist das Verpassen auch nicht soooo schlimm. Muss ich halt mal zurückkommen und weiter hoffen.

Die Kathedrale von Elgin stand auch auf dem Programm, eine liebe Freundin hatte sie uns doch sehr ans Herz gelegt und sie war auch wirklich schön! Aber mittlerweile habe ich so viele schottische Kathedralenruinen gesehen dass es so langsam ein bisschen reicht glaub ich. Auf der Dauer sind sie sich doch ähnlich… zefallen halt.

Lossiemouth fand ich noch schöner als Elgin an sich, auch am 2ten Abend zeigte sich der Strand von seiner schönsten Seite und wir warfen ewig lange Schatten.

Zum essen kann ich das La Caverna in Lossiemouth empfehlen, leckere Tagesgerichte und Tapas.

Fotos! Mehr! Hier!